
Pompejis küssendes Paar: Was die DNA-Studie ergab
„Pompejis küssendes Paar“ ist ein populärer Name für zwei eng beieinander gefundene Opfer: das als „Zwei Mädchen“ bekannte Paar aus dem Muliones-Haus/Haus des Kryptoportikus, in der Studie Individuen 21 und 22. Ihre Lage beweist weder einen Kuss noch eine Liebesbeziehung. Eine 2024 veröffentlichte Analyse antiker DNA bestimmte Individuum 22 als genetisch männlich; das genetische Geschlecht von Individuum 21 ließ sich nicht feststellen.
Bildhinweis: Das Foto oben zeigt beispielhaft einen echten Gipsabguss aus Pompeji. Es zeigt nicht das Paar der „Zwei Mädchen“.
Wer waren die „Zwei Mädchen“?
Die Studie bezeichnet die beiden Personen als Individuum 21 und Individuum 22. Individuum 21 war ein Jugendlicher im geschätzten Alter von 14 bis 19 Jahren, Individuum 22 ein junger Erwachsener. „Zwei Mädchen“, „umarmendes Paar“ und „küssendes Paar“ sind spätere Deutungen der Körperlage, keine aus römischer Zeit überlieferten Identitäten.
Ihre Namen, ihre Beziehung zueinander und der Grund für ihre Nähe im Augenblick der Katastrophe sind unbekannt. Aus dem eingängigen Namen darf daher keine gesicherte Biografie werden.
Was hat die DNA-Analyse tatsächlich gezeigt?
Die Forschenden untersuchten genetisches Material aus Skelettresten im Inneren der Abgüsse. Belastbar sind folgende Aussagen:
- Nukleare DNA identifizierte Individuum 22 als genetisch männlich.
- Für Individuum 21 reichten die Daten nicht zur Bestimmung des genetischen Geschlechts.
- Die mitochondrialen Genome unterscheiden sich; eine Verwandtschaft über die mütterliche Linie ist damit ausgeschlossen.
- Die Ergebnisse klären nicht, ob die beiden Partner, anders verwandte Personen, Freunde oder zufällig gemeinsam Schutzsuchende waren.
Mitochondriale DNA wird über die mütterliche Linie vererbt. Eine mütterliche Verwandtschaft auszuschließen bedeutet nicht, jede mögliche biologische Verwandtschaft auszuschließen. Über Zuneigung oder Romantik sagt dieser Befund nichts aus. Maßgeblich sind die begutachtete Studie in Current Biology und die Zusammenfassung der Max-Planck-Gesellschaft.
Haben sie sich wirklich geküsst oder umarmt?
Für einen Kuss gibt es keinen erhaltenen Beleg. Die Abgüsse dokumentieren räumliche Nähe. Die endgültige Lage kann jedoch davon beeinflusst worden sein, wie die Menschen Schutz suchten, wie sich vulkanisches Material ablagerte und wie der später ausgegossene Hohlraum entstand. Archäologie kann die Lage beschreiben, aber daraus keine private Beziehung rekonstruieren.
Sind Pompejis Abgüsse versteinerte Körper?
Die Opfer waren reale Menschen, doch die bekannten Figuren sind keine zu Stein gewordenen Körper. Nachdem organisches Material in den verfestigten vulkanischen Ablagerungen zerfallen war, blieben Hohlräume zurück. Archäologen füllten einige davon mit Gips und bewahrten so Abdrücke von Haltung, Kleidung und Oberflächendetails. Knochen können im Abguss verbleiben und moderne Untersuchungen ermöglichen.
Kann man dieses Paar immer sehen?
Planen Sie den Besuch nicht mit der Annahme, die „Zwei Mädchen“ seien dauerhaft in einem bestimmten Raum ausgestellt. Standort und Zugänglichkeit empfindlicher Abgüsse können sich wegen Konservierung, Ausstellungen oder Gebäudeschließungen ändern. Auch das Titelbild ist kein Ersatzbild des Paares, sondern ein klar gekennzeichnetes Beispiel.
Häufige Fragen
Hat die Studie bewiesen, dass beide Personen männlich waren?
Nein. Individuum 22 war genetisch männlich; das genetische Geschlecht von Individuum 21 blieb unbestimmt.
Waren die beiden ein Liebespaar?
Dafür gibt es keinen Beleg. Ihre Nähe inspirierte die Geschichte, beweist aber nicht die Art ihrer Beziehung.
Waren sie miteinander verwandt?
Die unterschiedlichen mitochondrialen Genome schließen nur eine Verwandtschaft über die mütterliche Linie aus. Andere Formen von Verwandtschaft bleiben möglich.
Zeigt das Titelbild die „Zwei Mädchen“?
Nein. Es ist ein repräsentatives Foto eines anderen echten Abgusses aus Pompeji und entsprechend gekennzeichnet.
Quellen
- A genomic and bioarchaeological perspective on the victims of Pompeii, Current Biology (2024)
- DNA evidence rewrites stories of people buried in Pompeii, Max-Planck-Gesellschaft
Download the Pompeii 1-Day Itinerary & Visiting Guide (PDF)
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